5
Juli 2019
Freitag
20:30-23:15
Il trovatore
Oper von Giuseppe Verdi

Zum Stück

Ein Bürgerkrieg zwischen Teilreichen der Krone Aragón spiegelt sich im Bruderzwist zwischen dem Grafen Luna und dem Troubadour Manrico: Sie sind nicht nur politische Gegner, sondern auch Rivalen um die Gunst der Hofdame Leonora. Ihr Konflikt wird zudem von Manricos Ziehmutter Azucena angefacht, die sich an der Familie Luna rächen will, weil ihre Mutter einst auf Befehl des alten Grafen Luna als Hexe verbrannt wurde. Giuseppe Verdis düsteres Nachtstück (nur eine von acht Szenen spielt am Tage) mit vielen Aussenszenen wird im Klosterhof stimmungsvoll zur Geltung kommen. Dies gilt ganz besonders für das dramatische Aufeinandertreffen der Rivalen im Kreuzgang eines Klosters, in das Leonora eintreten will. Und Manrico singt seine berühmte Stretta laut Libretto vor der Schlosskapelle, aus der kurz zuvor Orgelmusik ertönt ist. Doch statt der geplanten Hochzeit stürzen Rachsucht und Egoismus alle in Tod und Unglück.

Uraufführung: 19. Januar 1853, Teatro Apollo Rom

Oper in vier Teilen
Musik von Giuseppe Verdi
Libretto von Salvatore Cammarano und Leone Emanuele Bardare nach dem Drama El trovador von Antonio García Gutiérrez
In italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln

«O räche mich!»

Besetzung

Zugabe

Bruderzwist im heissen Süden: Videoeinführung zu Giuseppe Verdis Il trovatore von Operndirektor Peter Heilker



Regisseur Aron Stiehl, der bereits mehrfach am Theater St.Gallen inszeniert hat, hält den Aspekt der kulturellen Prägung für zentral und bemerkenswert modern: Manrico und Luna sind dazu erzogen worden, im jeweils anderen ein Feindbild zu sehen, obwohl sie eigentlich Brüder sind.
Dass Il trovatore in Kriegszeiten spielt, ist der Ausgangspunkt für Frank Philipp Schlössmanns Bühnenentwurf. Er zeigt zwar kein Schlachtfeld auf der Bühne, aber eine Art Soldatenfriedhof – nicht im realistischen Sinne wie bei einem Film-Set, sondern in einer eigenen Theatralik und Farbigkeit mit vielen Kreuzen und einem gigantischen Todesengel. Farbig, gross und theatral sind auch die von Mechthild Seipel entworfenen Kostüme für Solisten, Chöre und Statisterie, die die grosse Bühne bevölkern werden.
In den vier Hauptrollen freuen wir uns auf vier Rollendebütanten: Timothy Richards, der bei den St.Galler Festspielen 2017 als Walter in Loreley zu erleben war, singt erstmals den Troubadour Manrico; Alfredo Daza, der am Theater St.Gallen als Baron Scarpia in Tosca aufgetreten ist, singt erstmals den Grafen Luna. Die usbekische Sopranistin Hulkar Sabirova als Leonora und die deutsche Mezzosopranistin Okka von der Damerau als Azucena geben nicht nur ihre Rollendebüts, sondern stellen sich auch erstmal dem St.Galler Publikum vor. Die musikalische Leitung hat Michael Balke, erster ständiger Gastdirigent am Theater St.Gallen.

Presse

Oper aktuell

Und selbstverständlich begeistert und berührt der szenische Einbezug der Barockfassade der Stiftskirche durch sparsam, aber umso wirkungsvoller eingesetzte Lichteffekte... Das ist zum Weinen schön, ehrlich und rein gesungen, von den Tontechnikern mit ganz wenig dezentem Hall versehen - eine starke Wirkung erzeugend... Gänsehaut pur - wie in vielen Momenten dieser überwältigenden Produktion.

NZZ am Sonntag

Die St.Galler Festspiele zeigen einmal mehr: Opern-Openair geht auch fern der Klischees. Verdis "Il trovatore" überzeugt szenisch und musikalisch. Ein Triumph.

Südkurier

Und gerade im Wagnis, diese inneren Konflikte konsequent auszuleuchten, liegt die Stärke der Inszenierung von Aron Stiehl. Über weite Strecken sind beim "Trovatore" nur zwei oder drei Figuren auf der grossen Klosterbühne. Die Regie stellt sie oft sehr weit auseinander und unterstreicht damit ihre Einsamkeit im Gefängnis ihrer Gefühle von Liebe, Rache und Machtgier. Es herrscht eigentlich nicht viel Bewegung auf dieser Bühne, und vielleicht ist es gerade dieser Fokus auf das Blockierte der Figuren, der diesen Abend zu einem spannenden, oft fast thrillerähnlichen Erlebnis werden lässt... Die packend wirkende Verlagerung auf die inneren Konflikte verlangt umso präsentere Solisten. Da kommt der Belcanto-Freund in St.Gallen (wir rezensieren hier die Premierenbesetzung) voll auf seine Kosten.

Südostschweiz

Für jeden der vier Protagonisten gibt es grandiose emotionale Wechselbäder, für die Verdi alle Register italienischer Gesangskunst zieht. Und die St.Galler Premierenbesetzung konnte sich wahrhaftig hören lassen.

Saiten

Verdis "Trovatore" bestätigt sich auch unter Openair-Bedingungen als musikalisches Feuerwerk, bildstark instrumentiert, übersprühend in den Arienmelodien, brillant gestrickt in den Ensemblestücken, den "racconti", "cabalette", "cavatine", "concertati" und "strette". Das Sinfonieorchester St.Gallen spielt (weit weg in der "Orchesterbox" hinter der Pfalz einquartiert) engagiert und sensibel unter Michael Balke. Erstklassig sind die Sängerinnen und Sänger (auch in der Zweitbesetzung bei der Zweitvorstellung am Samstag). Der Leonora von Katia Pellegrino, ihren noch im giftgeschwächten Finale leuchtenden Koloraturen und tragenden Pianissimi, liegen nicht nur zwei Männer auf der Bühne, sondern auch die Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Rängen zu Füssen.

Ostschweiz am Sonntag

Aron Stiel baut in seiner Inszenierung für die St.Galler Festspiele stark auf das Zeichenhafte, wozu ihm Frank Philipp Schlössmann mit seiner Bühne und Mechthild Seipel mit ihren mit viel Schwarz und ganz wenigen farbigen, im Falle Leonoras auch helleren Akzenten arbeitenden Kostümen eine gute Vorlage liefern. Schlössmanns Bühne ist einfach und raffiniert zugleich.

Appenzeller Volksfreund

Die Festspieloper bietet viel fürs Ohr und fordert das Auge heraus. Wer beides gleichzeitig mit allen Sinnen erfassen will, hat eine spannende und Abend füllende Aufgabe.

Roccosound

Über alles prägte den Abend eine berührende Stimmigkeit in der lyrischen Innigkeit wie der dramatischen Attacke, fundiert in präziser, dynamisch differenzierter Gestaltung. Die Tonanlage geht damit sorgfältig um, und ihr Ortungssystem bringt die Stimmern und Darsteller fast makellos zur Deckung.

Klassik begeistert

Die immerhin vier Chöre boten eine geradezu überwältigende Leistung – hochmusikalisch und präzis, das Sinfonieorchester St.Gallen unter der Stabführung von Michael Balke bot einen temperamentvoll- fulminanten Verdi.

Vorarlberger Nachrichten

Mit durchbohrtem Herz und ausgebreiteten Flügeln bildet der barocke Todesengel eine Arena, die mit Durchlässen und Öffnungen rasche Auf- und Abtritte ermöglicht und die Handlung historisch bestens platzieren lässt.

St.Galler Tagblatt

Hulkar Sabirova aber wird in ihrem stimmlichen Facettenreichtum als diese Leonora zum Gravitationszentrum des Abends. Zu dessen Gelingen sowohl das von Michael Balke geleitete Sinfonieorchester St.Gallen als auch die von Michael Vogel einstudierten Chöre beitragen.

Leader

Eine musikalisch und optisch überzeugende Aufführung macht Giuseppe Verdis «Il trovatore» auf dem Klosterhof zum eindrucksvollen Erlebnis.

Oper und Kultur

Naja, schon ziemlich unheimlich, Frank Philipp Schlössmanns Bühne auf dem Platz unter den Türmen des Weltkulturerbes St.Gallen. Der Tod, der beflügelt und mit Schwertern durchbohrtem Herz über den Soldatengräbern thront. Dennoch eindrücklich, wie perfekt sich die Handlung unter der Regie von Aron Stiehl in die Umgebung einfügt und das Werk zu einem stimmigen Ganzen macht.

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